Die reduzierte, moderne Formensprache der Biedermeierepoche um 1810 - die wenig mit der verbreiteten Vorstellung vom Biedermeier der Ziersäulen, geschwungenen Lehnen oder gepflegten Behaglichkeit zu tun hat – kann als einzigartig und zukunftweisend in Europa gesehen werden. Sie war quasi Avantgarde ihrer Zeit. Allerdings spiegelt sie nur einen sehr kleinen Aspekt aus dem Stilrepertoire des Biedermeier wieder.
Frühklassizistische Louis Seizestilelemente, der Empirestil mit seiner imperialen plastischen Dominanz, der weit unterschätzte Einfluss der Gotik (Schinkel!) sowie spielerische Varianten etwa der Danhauser Werkstätte in Wien weisen auf die breite Stilpalette des Biedermeier hin. Zugleich machen sie aber auch die kunsthistorische Ungenauigkeit des Begriffes in der zeitlichen Begrenzung wie auch in der stilistischer Zuordnung deutlich.